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Konflikte in vier Schritten konstruktiv ansprechen

Konflikte in vier Schritten konstruktiv ansprechen

„Wo Menschen miteinander schaffen, machen sie sich zu schaffen“ so der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun. Wir haben täglich mehrere kleinere oder auch größere Konflikte und Themen, die uns im Umgang mit anderen Menschen umtreiben. Normalerweise gelingt es uns das sehr gut und wir denken bei der Mehrzahl dieser Herausforderungen auch nicht weiter darüber nach, was wir wie gemacht haben. Aber was mache ich, wenn ich das Problem nicht aus meinem Kopf bekomme? Wenn mich die gleiche Situation oder der gleiche Mensch immer wieder triggert? Was kann ich machen, wenn mir jemand so zu schaffen macht, dass es mich nachhaltig beschäftigt? Eine Hilfestellung dabei bietet uns die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall Rosenberg. Diese Art der Kommunikation hat Marshall Rosenberg in den unterschiedlichsten Situationen angewendet: bei Konflikten im familiären Umfeld, in Schulklassen, sogar in Gefängnissen und bei Staatskonflikten.

Mit Konflikten umgehen

Prinzipiell sehe ich 2 Methoden, wie ich mit einem Konflikt umgehen kann: Ich kann ihn ignorieren oder ansprechen.

Ignorieren ist sozusagen die „Vogel-Strauß-Methode“. Den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass sich die schlechte Stimmung, der Streit irgendwann verzieht. Es mag Situationen geben, die man so aussitzen kann. Häufig ist das Ergebnis der Vogel-Strauß-Methode jedoch, dass der Streit sich verhärtet, die Stimmung eisig wird und das Problem wie ein Stein, den man ins Wasser wirft, immer weitere Kreise zieht.

Für den zweiten Weg braucht es etwas Mut. Mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg muss ich mich trauen, die andere Person anzusprechen und meine Empfindungen zu offenbaren. Die Belohnung für meinen Mut ist, dass ich eine Basis für die Lösung des Konflikts schaffe.

Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

Das Prinzip der „Gewaltfreien Kommunikation“ ist denkbar einfach und in vier Schritte untergliedert:

  1. Wahrnehmung schildern: Was hätte ein Smartphone aufgenommen? Es geht um Zahlen, Daten, Fakten

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  2. Gefühle benennen: Was fühle ich jetzt?

  3. Bedürfnis benennen: Was brauche ich in dieser Situation? Welche Werte sind mir jetzt wichtig?

  4. Bitte aussprechen: Was konkret möchte ich jetzt von dem/der Anderen? Das kann eine konkrete Tat sein, aber auch Verständnis, die Bitte nach Verbindung.

Zur Verdeutlichung hier ein kleines Beispiel: Sie sind mit einer Freundin in einem Kaffee verabredet. Und warten seit 20 Minuten auf sie. Und sind sehr verärgert, denn ihre Freundin verspätet sich gerne mal. Als sie dann (endlich) auftaucht, entscheiden Sie sich dafür, das Thema anzusprechen. Das könnte sich so anhören: „Endlich bist du da. Ich warte jetzt schon eine geschlagene halbe Stunde auf dich. Dass du auch nie pünktlich sein kannst. Du musst echt was an deinem Zeitmanagement ändern!“.

Mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg könnte sich das so anhören: „Wir waren um 14 Uhr hier verabredet, jetzt ist es 20 Minuten nach 2. Ich bin ziemlich frustriert, denn ich hätte die Wartezeit noch für einen wichtigen Anruf nutzen können. Kannst du das nächste Mal Bescheid geben, sobald du merkst, dass Du es nicht rechtzeitig schaffst?“

Was glauben Sie, welche der beiden Ansprachen wird eher zu einer Verhaltensänderung führen?

Fallstricke der Gewaltfreien Kommunikation

So simpel diese 4 Schritte klingen, die Umsetzung birgt doch einige Tücken. Marshall Rosenberg sagt selbst dazu: „It’s simple but not easy!“

Tücke 1: Wahrnehmung vs. Interpretation: Wenn wir eine Information erhalten (Nachricht, Bild, Ereignis) läuft in uns der immergleiche Ablauf ab: Wir nehmen die Information mit unseren Sinnen wahr (hören, sehen, fühlen), dann bewerten oder interpretieren wir diese Information und damit entsteht ein Gefühl über diese Information. Häufig ist uns nicht bewusst, dass wir bereits interpretieren und nicht nur wahrnehmen.

Tücke 2: Wenn wir Gefühle benennen, verfallen wir gerne in den Modus: ich fühle …, weil Du… . Wir schieben die „Schuld“ und Verantwortung für unsere Gefühle der anderen Person in die Schuhe. Dadurch entsteht gerne ein Kreislauf der Rechtfertigung und die Konfliktlösung wird immer komplexer. Wenn wir Gefühle im Prozess der Konfliktklärung benennen, ist es hilfreich im Modus: ich fühle…, weil ich brauche… zu formulieren.

Tücke 3: Oft sind uns unsere eigenen Bedürfnisse gar nicht bewusst. Wir suchen im Außen, bei anderen, wer denn wie nun für unser Glück und unsere Zufriedenheit zuständig sein könnte. Wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und erkennen, beginnen wir, Verantwortung für unser Leben zu übernehmen. Und wir können Möglichkeiten entdecken, unsere Bedürfnisse selbst zu erfüllen, anstatt andere dafür verantwortlich zu machen.

Tücke 4: Eine Bitte zu äußern, klingt leicht. Jedoch verfällt man leicht in den Modus: Du musst. Wir alle wissen, wie wir darauf reagieren, wenn uns jemand sagt, dass wir etwas tun müssen. Wie kann ich also eine Bitte so formulieren, dass sie für mein Gegenüber auch akzeptabel ist. Mein Tipp: positiv, realistische & konkret formulieren. Und nicht vergessen: wenn ich eine Bitte äußere, hat mein Gegenüber auch die Möglichkeit diese abzulehnen.

Fazit: Die Gewaltfreie Kommunikation hilft dabei, Konflikte zu lösen und die Beziehung zu bewahren

Wenn wir Konflikte mit den vier Schritten der Gewaltfreien Kommunikation ansprechen, verliert niemand sein Gesicht. Denn es gibt keinen Schuldigen. Wir sprechen objektive Tatsachen an und sprechen konkret an, was uns wichtig ist. Dadurch werden Konflikte besprechbar. Und wenn Konflikte besprechbar werden, können sie leichter gelöst werden.

Viel Spaß beim Ausprobieren. Für Lösungen ohne Verlierer.


Sie haben einen Konflikt, bei dem Sie nicht weiterkommen? Im Coaching können Sie die für Sie beste Lösung entwickeln. Interesse? Dann senden Sie mir eine E-Mail, damit wir einen unverbindlichen und für Sie kostenlosen Telefontermin vereinbaren können.

Herzliche Grüße

Ihre Nicole Gerstner

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