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Warum dein Lebenslauf nicht der Anfang deiner Bewerbung sein sollte

2 Personen schütteln sich die Hände zu einem erfolgreichen Vertragsabschluss

„Ich brauche erst mal einen richtig guten Lebenslauf.“ Diesen Satz höre ich im Bewerbungscoaching ständig. Ja, gute Bewerbungsunterlagen sind wichtig. Sehr sogar. Aber sie sind nicht der Anfang des Bewerbungsprozesses. Sie sind eher das Ergebnis.Eine professionelle Standortbestimmung im Bewerbungsprozess ist die Grundlage für eine erfolgreiche Neuorientierung. Wer diesen Einstieg überspringt, erlebt später oft zähe Bewerbungsphasen, unklare Gespräche oder dieses leise, nagende Gefühl: Irgendwie passt das alles nicht, obwohl die Bewerbung doch gut ist.

Der Bewerbungsprozess sauber sortiert

Ein Bewerbungsprozess besteht aus mehr als Anschreiben, Lebenslauf und einem Vorstellungsgespräch. Er lässt sich in mehrere Stufen unterteilen:

  1. Standortbestimmung
  2. Zielformulierung
  3. Jobrecherche und Auswahl passender Stellen
  4. Erstellung der Bewerbungsunterlagen
  5. Vorstellungsgespräch
  6. Gehaltsverhandlungen
  7. Vertragsabschluss
  8. Onboarding

In diesem Beitrag zoomen wir bewusst auf Punkt 1: die Standortbestimmung. Aus meiner Sicht ist sie der Dreh- und Angelpunkt für alles, was danach kommt – besonders im Rahmen eines Outplacements.

Standortbestimmung: Die Basis für eine erfolgreiche Bewerbung

Viele Bewerberinnen und Bewerber überspringen diesen Schritt. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie unter Zeitdruck stehen oder glauben, sie müssten jetzt „funktionieren“. Dabei ist Standortbestimmung vergleichbar mit dem Einstellen eines Navigationssystems:Ohne einen klaren Startpunkt bleibt jede Route unscharf.

Person hält Handy in der Hand mit einer geöffneten Navigationsapp, die den Weg anzeigt
Um dein Ziel zu erreichen, ist die Standortbestimmung hilfreich.

Was bedeutet Standortbestimmung im Bewerbungsprozess? Kurz gesagt ist es eine strukturierte Analyse der eigenen beruflichen Situation, Kompetenzen und Ziele als Grundlage für die Bewerbung. Die nachfolgende Auflistung kann bei der Orientierung hilfreich sein:

1. Wo stehe ich beruflich aktuell?

Diese Frage klingt simpel – ist es aber nicht. Gemeint ist nicht nur dein Jobtitel, sondern auch die emotionale Seite deiner Arbeit.

  • Wie erlebst du deinen Arbeitsalltag aktuell?
  • Bei welchen Tätigkeiten bist du im Flow?
  • Was kostet dich Energie?
  • Was gibt dir Energie?
  • Was hast du zuletzt nur noch toleriert – und warum?

Gerade in einer Trennungsphase ist es verführerisch, diese Fragen zu überspringen. Doch eine ehrliche Bestandsaufnahme erhöht die Chance erheblich, im nächsten Job nicht wieder in denselben Mustern zu landen. Denn eines ist sicher:
Wir nehmen uns selbst mit in den neuen Job: unsere Haltung, unsere Erwartungen und unsere Handlungsmuster.

2. Relevante Erfahrungen statt lückenloser Chronologie

Viele Lebensläufe sind vollständig – aber profillos. Sie listen Stationen auf, zeigen aber nicht, wofür jemand wirklich steht. In der Standortbestimmung geht es nicht darum, alles zu sammeln, sondern das Relevante:

  • Welche Erfahrungen haben dich fachlich geprägt?
  • Wo bist du gewachsen – fachlich und menschlich?
  • Wo hast du Verantwortung übernommen, Probleme gelöst, Konflikte geklärt oder Dinge vorangebracht?
  • Welche Erfolge würde es ohne deine Mitarbeit nicht geben?

Diese Klarheit bildet die innere Storyline deiner Bewerbung. Und sie ist pures Gold für spätere Vorstellungsgespräche.

3. Kompetenzen: Mehr als Methoden und Tools

Kompetenzen sind nicht nur das, was in Zertifikaten steht. Sie zeigen sich dort, wo dein Beitrag wirklich wirksam wird. Für welche fachlichen Themen bist du Expert*in? Welche Themen begleiten dich schon sehr lange in deinem Berufsleben?

Viele meiner Klientinnen und Klienten tun sich schwer damit, die eigenen Kompetenzen zu benennen. Meist bekomme ich zu hören: Aber das ist doch klar, das kann doch jeder. Um den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen auf die Spur zu kommen, rate ich häufig dazu, im beruflichen Umfeld diese Frage zu stellen: Mit welchem Thema würdest du jederzeit zu mir kommen, weil du weißt: Das kann ich gut lösen?

Zu deinen Kompetenzen gehören natürlich auch die sogenannten Soft Skills – etwa:

  • dein Umgang mit Druck
  • deine Entscheidungsfähigkeit
  • deine Kommunikations- und Konfliktkompetenz
  • deine Selbstführung

Gerade die Kombination aus fachlicher Expertise und diesen Fähigkeiten macht dein Profil unverwechselbar.

4. Zusammenarbeit: Begeistert mittendrin statt nur dabei

Eine der wichtigsten Fragen in dieser Phase lautet: Wie willst du künftig arbeiten – und mit wem?

  • Brauchst du klare Führung oder viel Autonomie?
  • Arbeitest du lieber im Team oder eigenständig?
  • Welche Führungs- und Unternehmenskultur lässt dich aufblühen?
  • Wie wichtig sind dir Struktur, Feedback und Verlässlichkeit?

Diese Antworten entscheiden oft stärker über Zufriedenheit im neuen Job als Titel oder Gehalt.

Warum die Standortbestimmung ein Erfolgsfaktor ist

Typische Fehler im Bewerbungsprozess ohne Standortbestimmung:

  • Du bewirbst dich auf Stellen, die „eigentlich ganz gut“ klingen und landest wieder in der Situation, die du verlassen wolltest.
  • Deine Unterlagen sind formal korrekt, zeigen aber kein klares Profil.
  • Dein Fokus liegt nur auf der Lebenslauf-Optimierung
  • In Vorstellungsgesprächen fällt es dir schwer, dich klar zu positionieren.
  • Entscheidungen werden eher aus einem „weg von“ als aus einem „hin zu“ getroffen.

Klientinnen und Klienten, die sich auf die Standortbestimmung einlassen, sind meist erfolgreicher bei der Jobsuche. Denn:

  • sie treffen bewusstere Jobentscheidungen
  • formulieren klare Ziele für die neue Stelle
  • Bewerbungsunterlagen werden leichter und profilierter
  • sie wirken im Gespräch souveräner, klarer und stimmiger

Mein Fazit

Die Bewerbungsunterlagen sind sehr wichtig. Keine Frage. Aber sie sind nicht der Startpunkt, sie sind das sichtbare Ergebnis eines inneren Klärungsprozesses. Bei der beruflichen Neuorientierung, ob freiwillig oder im Outplacement, lohnt es sich, diesen Schritt nicht zu überspringen. Wer sich die Zeit für eine ehrliche Standortbestimmung nimmt, spart sie später mehrfach wieder ein und findet nicht nur einen neuen Job, sondern einen, der wirklich passt.

Bevor du also weiter an Lebenslauf oder Anschreiben feilst, halte kurz inne: Wüsstest du heute klar, wofür du stehst und wohin du willst, wenn morgen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch käme? Wenn sich diese Frage nicht eindeutig mit „Ja“ beantworten lässt, ist das kein Problem, sondern ein Hinweis. Genau hier setzt eine fundierte Standortbestimmung an.

Wenn du deine berufliche Neuorientierung strategisch und klar angehen willst, dann lass uns deine Standortbestimmung im Karrierecoaching strukturiert erarbeiten. Ziel ist nicht, schneller Bewerbungen zu schreiben, sondern Klarheit zu gewinnen, damit deine Bewerbung nicht nur gut aussieht, sondern sich auch richtig anfühlt.

Mehr zu meiner Arbeit im Bewerbungscoaching findest du hier: Bewerbungscoaching.

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